THOMAS PALME



*1967 in Immenstadt/Allgäu (DE)

Zeichnen ist für Thomas Palme Obsession. Jedes Jahr entstehen an die 1000 Zeichnungen, die der Künstler einmal mit der linken, einmal mit der rechten Hand anfertigt. Segen und Fluch, Erlösung und Verdammnis, Eros und Thanatos ziehen sich als Leitlinien durch sein Oeuvre. Die Titel sind ein essenzieller Bestandteil der Zeichnungen. Durch das Wort erhalten die Darstellungen oft jene Wendung ins Ironische und Doppelbödige, die durch die teils provokanten und herausfordernden Sujets alleine nicht offensichtlich wäre. Es handelt sich um ein Spiel mit Symbolen, bei denen die Bedeutungen verschoben werden, um die Inszenierung einer großen Menschheitskomödie, die ihre Augen ganz nah an die Bruchstellen gesellschaftlicher Entwicklungen legt, um einen Maskenball am Abgrund des Daseins. Im Zentrum steht immer der Künstler als exemplarischer Stellvertreter: Palme, der Einsiedler. Palme, der Asket. Palme, die Hure. Palme, der Untote, Palme, die Katze, Palme, der Hund.

Das erschöpfte Selbst

Palme zieht sich jede Maske über, der er habhaft werden kann, die er sich sprichwörtlich aneignen kann und legt paradoxerweise gerade durch die Maskierung viel von sich offen. Als würde er mit dem Maskenspiel seine Identität jedes Mal aufs Neue erproben wollen, sich ihrer immer wieder neu versichern wollen. Wie Rembrandt scheint er mit den Rollen, die er spielt, gegen die Unsicherheit seiner persönlichen Existenz zu kämpfen, die sich auch in seiner künstlerischen Existenz spiegelt. Wir alle tragen ein Leben lang Masken, immer der jeweiligen Situation entsprechend, bis wir eines Tages von der Bühne des Lebens abtreten müssen. Und zwischen dem Gesicht und den Masken finden natürlich permanent Passagen statt. Masken sind Bilder von Bildern, Bilder, die wir selbst von uns machen und Bilder, die auf uns projiziert werden. Die gesamte Geschichte der Porträtmalerei bringt jene gesellschaftliche Konventionen, Erwartungen und Zwänge zum Ausdruck, die auch Palme in seinen Zeichnungen verhandelt.

Palmes Zeichnungen sind Metamorphosen des Ich, Maskierungen des Selbst, in denen das Gesicht keinen Augenblick lang zur Ruhe kommt. (Roman Grabner, 2017/Auszug)










Die hier gezeigten Bilder stellen lediglich eine Auswahl der verfügbaren Werke dar.  Bei Interesse an weiteren Arbeiten freuen wir uns auf Ihre Anfrage.